Kreidefelsen auf Rügen

Naturwunder und Wahrzeichen der Ostsee

Die Kreidefelsen Rügen zählen zu den bekanntesten Naturwundern Deutschlands. Majestätisch ragen sie hoch aus der Ostsee empor und ziehen jedes Jahr unzählige Besucher an. Die Kreideküste selbst verläuft über rund 15 Kilometer und zeigt Höhen zwischen ca. 40 und 118 Meter, je nach Standort entlang des Hochufers. Besonders eindrucksvoll ist ihr weißer Glanz im Kontrast zum tiefblauen Meer und den grünen Buchenwäldern des Nationalparks Jasmund, die seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören. Kein Wunder, dass die Kreideküste seit Jahrhunderten Künstler, Dichter und Reisende inspiriert.

Geologie & Entstehung der Kreideküste

Die Kreidefelsen auf Rügen sind das Ergebnis eines geologischen Prozesses, der vor rund 70 Millionen Jahren begann. In einem flachen Urmeer lagerten sich über lange Zeit die kalkhaltigen Schalen winziger Meerestiere ab. Aus diesen Sedimenten entstand die helle Schreibkreide, die der Küste bis heute ihr charakteristisches Aussehen verleiht.

Erst während der letzten Eiszeiten wurde die Kreideschicht durch gewaltige Gletscher angehoben, verschoben und teilweise überformt. Die Eisbewegungen pressten die Kreide in steile Schollen, die sich nach dem Abschmelzen der Gletscher als markante Steilküste entlang der heutigen Halbinsel Jasmund zeigten. Wind, Regen und vor allem die Brandung der Ostsee formen diese Landschaft bis heute weiter.

Die Kreideküste ist deshalb kein statisches Naturdenkmal, sondern ein sich ständig verändernder Raum. Abbrüche, Rutschungen und neue Felsformationen gehören zum natürlichen Kreislauf dieser Küste. Gerade diese Dynamik macht die Kreidefelsen auf Rügen zu einem einzigartigen Zeugnis der Erdgeschichte und zu einem der eindrucksvollsten Landschaftsbilder an der Ostsee.

Der Königsstuhl und die Stubbenkammer – Ikone der Kreideküste

Der bekannteste Aussichtspunkt der Kreidefelsen auf Rügen ist der Königsstuhl. Mit rund 118 Metern Höhe ragt der markante Kreidefelsen über die Ostsee hinaus und prägt seit Jahrhunderten das Bild der Insel. Von hier eröffnet sich der Blick entlang der weißen Steilküste, über das Meer und auf die Buchenwälder der Stubbenkammer, die heute Teil des Nationalparks Jasmund sind.

Bereits im 19. Jahrhundert galt der Königsstuhl als zentrales Motiv der Rügenschen Kreidelandschaft. Gemeinsam mit Aussichtspunkten wie der Victoria-Sicht wurde er zu einem festen Bestandteil früher Reiseberichte, Gemälde und später auch der Postkartenfotografie. Der Blick von der Hochkante entwickelte sich zum „Inselbild schlechthin“ und prägte die Wahrnehmung Rügens weit über die Region hinaus.

Der Name „Königsstuhl“ ist von einer mittelalterlichen Legende überliefert, nach der derjenige zum König gekrönt wurde, der den Felsen zuerst bestieg und sich auf den „Stuhl“ setzte. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Erzählung zeigt sie, welche symbolische Bedeutung der Ort schon früh besaß.

Heute befindet sich am Königsstuhl das Nationalpark-Zentrum Jasmund, das die geologische Entstehung der Kreideküste sowie die Natur- und Kulturlandschaft der Stubbenkammer dokumentiert. Der Ort steht damit nicht nur für eine spektakuläre Aussicht, sondern auch für die lange Geschichte der Auseinandersetzung des Menschen mit dieser außergewöhnlichen Landschaft.

Wandern im Nationalpark Jasmund

Ein Besuch der Kreidefelsen lässt sich am besten zu Fuß erleben. Besonders beliebt ist der berühmte Hochuferweg, der auf rund elf Kilometern von Sassnitz bis zum Königsstuhl führt. Der Weg verläuft immer wieder dicht an der Steilküste entlang und bietet spektakuläre Ausblicke auf die Ostsee, die weißen Felsen und die uralten Buchenwälder. An klaren Tagen reicht der Blick weit über das Meer, manchmal sogar bis zur dänischen Insel Møn.

Neben den grandiosen Panoramen erwartet Wanderer hier auch eine einzigartige Natur. Der Nationalpark Jasmund ist bekannt für seine alten Buchenwälder, die seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören. Das Zusammenspiel von Meer, Wald und Fels macht jede Wanderung zu einem besonderen Erlebnis. Im Frühling erblüht der Wald in sattem Grün, im Sommer bieten die Buchen angenehmen Schatten, im Herbst leuchtet das Laub in goldenen Farben, und im Winter wirkt die Landschaft fast mystisch still.

Für alle, die die Kreideküste aktiv entdecken wollen, ist der Hochuferweg daher ein absolutes Muss. Wer die Tour nicht komplett gehen möchte, kann auch einzelne Abschnitte erkunden – etwa die Strecke von Sassnitz bis zum Kieler Bach oder den Weg von Hagen bis zum Königsstuhl.

Die Wissower Klinken – ein verlorenes Naturdenkmal

Zu den bekanntesten Formationen der Kreideküste zählten lange die Wissower Klinken. Ihr Anblick inspirierte den Maler Caspar David Friedrich zu seinem weltberühmten Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“. Im Jahr 2005 stürzten jedoch große Teile der Felsen ins Meer – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie lebendig und vergänglich diese Landschaft ist. Auch wenn die Wissower Klinken heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existieren, bleibt ihre Geschichte eng mit Rügen verbunden.

Kunst und Inspiration – die Kreidefelsen im Blick

Die Kreidefelsen sind nicht nur ein Naturwunder, sondern auch eine Quelle künstlerischer Inspiration. Schon Caspar David Friedrich machte sie mit seinem berühmten Gemälde weltbekannt. Bis heute ziehen die weißen Klippen Maler, Fotografen und Besucher gleichermaßen in ihren Bann – eine Landschaft, die sich ständig wandelt und dennoch zeitlos bleibt.

Ob beim Wandern im Nationalpark Jasmund, beim Blick vom Königsstuhl oder im stillen Betrachten eines Kunstwerks: Die Kreidefelsen Rügens vereinen Natur, Geschichte und Kultur auf einzigartige Weise.

Die Faszination der Kreideküste lässt sich nicht nur vor Ort erleben. In meinen Fotografien halte ich die besondere Stimmung der Kreidefelsen Rügen zu verschiedenen Jahreszeiten fest – ob im goldenen Herbstlicht, im satten Sommergrün oder im winterlichen Weiß.

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