Rapsfelder auf Rügen – wann sie blühen und wo man sie findet

Wenn die Insel gelb leuchtet

Jedes Jahr im April und Mai verwandelt sich Rügen. Weite Felder, die im Winter braun und kahl lagen, bedecken sich innerhalb weniger Wochen mit einem intensiven, leuchtenden Gelb. Der Raps blüht – und mit ihm verändert sich das Erscheinungsbild der ganzen Insel.

Wer Rügen nur aus der Sommerzeit kennt, erlebt im Frühjahr eine andere Landschaft. Weniger Betrieb an den Stränden, aber dafür Farbe und Weite, wohin man blickt. Raps und Rügen gehören in dieser Jahreszeit untrennbar zusammen.

Warum Raps Rügen prägt

Raps wird auf Rügen schon lange angebaut. Mecklenburg Vorpommern ist die wichtigste Anbauregion für Raps deutschlandweit. Die Böden der Insel sind für Ölfrüchte gut geeignet, und das milde Ostsee-Klima begünstigt ein gleichmäßiges Wachstum. Landwirtschaft hat hier eine lange Tradition – die offenen Felder, die sich heute zwischen Wäldern und Bodden erstrecken, sind das Ergebnis von Jahrhunderten bäuerlicher Nutzung.

Aus den Samen wird Rapsöl gewonnen, eines der meistverwendeten Speiseöle in Deutschland. Ein weiterer Teil der Ernte fließt in die Biodieselproduktion, die Presskuchen nach der Ölgewinnung dienen als Tierfutter. Für Bienen ist die Rapsblüte eine der ergiebigsten Trachtquellen des Jahres – Imker schätzen diese Wochen, weil die Völker in kurzer Zeit große Mengen hellen, milden Honigs eintragen.

Was auf Rügen so auffällig blüht, hat also eine nüchterne Kehrseite: Es ist eine Nutzpflanze durch und durch. Die Schönheit der Blüte und die Sachlichkeit der Ernte gehören zum selben Kreislauf – und vielleicht macht genau das den kurzen Moment der Blüte so sehenswert.

Weite Felder, offene Landschaft

Die großen Rapsfelder auf Rügen liegen vor allem im Inneren der Insel, abseits der Küste. In der Umgebung von Ralswiek, auf den Höhen des Tennengebirges und entlang der langen Alleen, die sich durch die Agrarlandschaft ziehen, findet man die beeindruckendsten Flächen.

Was diese Landschaft besonders macht, ist die Kombination aus Weite und Licht. Rügen ist eine Insel ohne Berge – der Blick geht weit, ob über Felder oder entlang der Kreideküste, die im Norden der Insel steil aus dem Meer ragt. Wenn Rapsfelder diese Flächen ausfüllen, entsteht eine Bildtiefe, die in anderen Jahreszeiten so kaum zu erleben ist. Der Himmel wirkt größer, die Entfernungen wachsen, die Farbe des Feldes setzt sich scharf gegen das Blau oder Grau der Wolken ab.

Alleen und Feldwege im Frühjahr

Eine der schönsten Besonderheiten der Rügen-Landschaft sind die alten Alleen, die durch die Felder führen. Linden, Kastanien und Ahorn säumen die Straßen, und wenn der Raps daneben blüht, entsteht eine Kombination aus dem frischen Grün der jungen Blätter und dem Gelb der Blüten, die typisch für den rügenschen Frühling ist.

Diese Alleen verbinden Orte, die früher zu Gut oder Dorf gehörten. Viele von ihnen sind heute unter Schutz gestellt. Sie sind gewachsene Landschaftselemente, die dem Frühjahr auf Rügen eine Tiefe geben, die reine Feldlandschaften nicht hätten.

Besonders eindrucksvoll ist der Bereich rund um den Tennberg, wo sich Alleen und offene Rapsfelder zu einer Frühjahrsstimmung verbinden, die man nur in diesen wenigen Wochen so erleben kann.

Nicht überall auf Rügen wächst Raps in großen, gleichmäßigen Flächen. Gerade auf kleineren Feldern oder entlang von Feldwegen findet man Übergänge: Raps neben Mohn, neben blühendem Weißdorn, neben jungem Getreide. Diese Mischflächen sind fotografisch oft interessanter als die großen Monokulturen, weil sie Struktur und Vielfalt in einem zeigen und Tiefe in ein Bild bringen.

Wann ist die beste Zeit, die Rapsfelder auf Rügen zu sehen? 

Die Rapsblüte auf Rügen beginnt in der Regel Mitte April und endet je nach Witterung bis Ende Mai. Der Höhepunkt liegt meist Anfang bis Mitte Mai, wenn der größte Teil der Felder gleichzeitig blüht. Kühlere Frühjahre verzögern die Blüte, ein warmer April beschleunigt sie.

Die Insel ist in dieser Zeit noch ruhig. Vor dem Beginn der Hochsaison gehört die Landschaft weitgehend sich selbst. Das ist einer der Gründe, warum der Frühling für viele Rügen-Kenner die schönste Jahreszeit ist.

Licht und Tageszeit – Raps im Morgengrauen

Wer das Beste aus der Rapsblüte herausholen möchte, kommt früh. Kurz nach Sonnenaufgang liegt das Licht tief über den Feldern. Der Himmel ist noch in Übergangsfarben, Nebel liegt manchmal über den Senken, und das Gelb des Rapses leuchtet gegen dieses gedämpfte Licht besonders klar.

Gegen Mittag dagegen wirkt die gleiche Landschaft flacher. Das harte Sonnenlicht schluckt die Kontraste, die am Morgen noch so klar waren. Für die Fotografie – aber auch einfach für das Erleben – lohnt es sich, früh aufzubrechen.

Nach der Blüte – wenn das Gelb verschwindet

Die Rapsblüte endet so abrupt, wie sie begonnen hat. Innerhalb weniger Tage verblassen die gelben Blüten, die Schoten wachsen heran, und das Feld verwandelt sich in ein sattes, dunkleres Grün. Was im April und Mai leuchtete, wirkt nun geschlossen und schwer.

Bis zur Ernte im Juli und August reifen die Schoten. Sie werden braun, trocken, spröde. Die Felder, über die man im Frühling noch von weitem geschaut hat, ziehen die Blicke kaum noch auf sich. Raps ist in diesem Stadium unscheinbar – und das ist vielleicht das, was seine Blütezeit so besonders macht: Sie ist begrenzt, und man weiß es.

Rügen zeigt in dieser Zeit ein anderes Gesicht. Andere Farben übernehmen: das helle Gelb reifenden Getreides, das tiefe Grün der Wälder, die ersten Sonnenblumenfelder. Die Landschaft setzt ihre Verwandlung fort – der Raps ist nur eine ihrer Jahresstationen.

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